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	<title>Qual der Wa(h)l</title>
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	<description>Pseudophilosophie mit einem Geisterwal</description>
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		<title>Qual und das Småland</title>
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		<pubDate>Mon, 20 May 2013 18:09:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>walnamensqual</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Jüngst gingen wir auf der Suche nach einer neuen Deckenleuchte wieder einmal durch ein großes schwedisches Möbelhaus. Dafür sind wir extra eine Stunde mit der Bahn zum nächstgelegenen Standort gefahren, statt im familienbetriebenen Lampenladen in der vierten Generation nur eine Straße weiter zu schauen. Nachdem wir gleich zu Beginn den obligatorischen Packen kostenloser Bleistifte aus [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Jüngst gingen wir auf der Suche nach einer neuen Deckenleuchte wieder einmal durch ein großes schwedisches Möbelhaus. Dafür sind wir extra eine Stunde mit der Bahn zum nächstgelegenen Standort gefahren, statt im familienbetriebenen Lampenladen in der vierten Generation nur eine Straße weiter zu schauen. Nachdem wir gleich zu Beginn den obligatorischen Packen kostenloser Bleistifte aus sämtlichen sichtbaren Halterungen in meinem Rucksack verstaut hatten, machten wir uns auf den Weg in die Beleuchtungs-Abteilung.</p>
<p>Qual, der aus den gesammelten Bleistiften in ferner Zukunft eine Blockhütte im Chinker-Stil bauen will, beschwerte sich alsbald über deren Beschaffenheit: „Früher sahen die ganz anders aus. Da waren die noch nicht ganz so lang und hatten dafür aber einen größeren Durchmesser.“ „Beeinflusst das in besonderer Weise deine Baupläne?“, fragte ich ihn, als wir gerade am hauseigenen Restaurant vorbeiliefen und weiter den großen blauen Kreisen mit den weißen Pfeilen darin folgten. Ein großes Schild an der Wand warb für das Spargelbuffet. „Natürlich tut es das“, erwiderte Qual entrüstet, „da brauche ich doch gleich viel mehr davon!“ Ein Pärchen, das in etwa in meinem Alter sein musste, kam uns entgegen und diskutierte rege über die Wahl des richtigen Flurschranks.</p>
<p>Ich setzte unser Gespräch fort: „Warum pflanzt du nicht einfach ein paar Bäume im Hinterhof? In ein paar Jahren hättest du sicherlich genau so viel Holz beisammen, als wenn wir hier jedes Mal alles abräumen würden.“ Qual sah mich fassungslos an. „Eine auf herkömmliche Weise errichtete Blockhütte ist aber keine Kunst mehr, du Kretin. Und was genau spricht dagegen, dass wir diese clever erdachte Marketingmaßnahme zur Kundenbindung in vollem Maße für unsere Zwecke ausnutzen?“ Eingeschnappt erklärte ich ihm: „Ich möchte nur klarstellen, wie unangenehm es mir ist, wenn sämtliche Kunden und Mitarbeiter mit dem Finger auf mich zeigen, nur weil mein bis oben hin mit gratis Schreibutensilien gefüllter Rucksack klappert, als würde die Berliner Staatskapelle Richard Wagners Walkürenritt ausschließlich mit Klanghölzern performen.“</p>
<p>Ehe Qual darauf reagieren konnte, ertönte über die Lautsprecher eine Durchsage: „Der kleine Nils möchte aus dem Småland abgeholt werden. Die Eltern vom kleinen Nils, bitte ins Småland. Danke!“ Ich dachte nach. „Findest du es auch komisch, dass jedes Kind von der Durchsage das Attribut klein zugeschrieben bekommt?“ Qual grübelte. „Schon irgendwie. Immerhin werden dort nur Kinder bis maximal zehn Jahre betreut. Wie groß können die denn schon sein?“ Ich ergänzte: „Oder gibt es noch einen zweiten Nils, der größer ist? Wird der dann automatisch zum kleinen Nils, wenn der ursprüngliche Nils gegangen ist? Aber wie erfahren das überhaupt die Eltern, die ihr Kind zuerst abgegeben haben?“</p>
<p>Inzwischen hatten wir den Bereich mit den Lampen erreicht, griffen uns die nächstbeste und gingen Richtung Kasse. „Man sollte genauer differenzierende Adjektive verwenden. À la <em>Die dicke Anna und der doofe Heinz haben genug mit Plastikbällen gespielt. An die Eltern: Ran jetzt hier!</em>, oder so“, urteilte Qual. Ich bezahlte unsere Lampe <em>CALYPSO</em> und gemeinsam begaben wir uns in die After-Shopping-Schlemmer-Ecke, wie Qual sie nannte. „In gewisser Weise ist <em>IKEA</em> so etwas wie die blau-gelbe Nachbildung des Lebens“, sagte ich plötzlich philosophisch, „ehe man sich versieht, gehen die Schiebetüren auf und schon durchläuft man an Fertigküchen und Couchlandschaften vorbei die einzelnen Abschnitte des Daseins. Man hat einen groben Plan wo es hingeht, aber wie du ans Ziel kommst, ist dennoch relativ variabel. Trotzdem: An der Kasse müssen alle vorbei.“</p>
<p>„Du vergleichst gerade die Kasse mit dem Tod?“, hakte Qual ohnehin schon irritiert nach. Ich nickte. „Und was ist dann das Småland?“ „Na die Kindheit. Eine Zeit lang gefällt es dir, du hast Spaß. Aber irgendwann reicht dir das nicht mehr und du lässt dich abholen. Was du nicht weißt: Wenn du einmal das Småland verlassen hast, kommst du nicht mehr rein. Und das bereust du spätestens dann, wenn du dir stattdessen Schlafzimmer ansehen musst.“ Qual ließ sich das Gesagte durch den Kopf gehen. „Und weil meine Theorie stimmt, fühlt man sich auch jedes Mal älter, wenn man in einem <em>IKEA</em> war. Man hat ja quasi damit auch sein Leben im Zeitraffer durchlaufen. Was man außerdem lernt, ist die Tatsache, dass man nicht viel braucht, um glücklich zu sein“, behauptete ich.</p>
<p>„Nur einen Inbusschlüssel“, pflichtete Qual mir bei, „aber wenn die Kassiererin der Sensenmann ist, wo befinden wir uns dann jetzt?“ Ungläubig sah ich ihn an. „Hot-Dogs für etwas mehr als einen Euro, die man nach eigenem Gutdünken mit Zwiebeln und Gewürzgurken beladen kann? Das muss das Paradies sein!“</p>
<p><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/ich-schreibe-wie/stiltest-ich-schreibe-wie-11480570.html" target="_blank">Stiltest</a>: Melinda Nadj Abonji</p>
 <p><a href="http://qual-der-wahl.com/?flattrss_redirect&amp;id=1469&amp;md5=8f710d3d1bdd880d2247028109589af0" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://qual-der-wahl.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>In eigener Sache</title>
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		<pubDate>Wed, 15 May 2013 16:57:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>walnamensqual</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Buch]]></category>
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		<description><![CDATA[Qualianer! Der zweite Band Kurzgeschichten nähert sich mit großen Schritten. Nicht mehr lange, dann ist &#8220;Qual der Wa(h)l &#8211; Walwiederholung&#8221; erhältlich! Wer sich schon jetzt ein Exemplar sichern möchte oder uns auch so gerne unterstützen mag, kann dies auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo tun: http://www.indiegogo.com/projects/qual-braucht-hilfe Für eine Spende in Höhe von 5€ könnt ihr das Buch [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Qualianer!</p>
<p>Der zweite Band Kurzgeschichten nähert sich mit großen Schritten. Nicht mehr lange, dann ist &#8220;Qual der Wa(h)l &#8211; Walwiederholung&#8221; erhältlich!</p>
<p>Wer sich schon jetzt ein Exemplar sichern möchte oder uns auch so gerne unterstützen mag, kann dies auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo tun:</p>
<p><a href="http://www.indiegogo.com/projects/qual-braucht-hilfe" target="_blank">http://www.indiegogo.com/projects/qual-braucht-hilfe</a></p>
<p>Für eine Spende in Höhe von 5€ könnt ihr das Buch quasi vorbestellen &#8211; also langt zu.</p>
<p>Vielen Dank für eure Unterstützung. <img src='http://qual-der-wahl.com/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':)' class='wp-smiley' /> </p>
 <p><a href="http://qual-der-wahl.com/?flattrss_redirect&amp;id=1458&amp;md5=93c1ddf799a00dec1ac60df3ac113a57" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://qual-der-wahl.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Herr der Ringer</title>
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		<pubDate>Mon, 13 May 2013 17:01:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>walnamensqual</dc:creator>
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				<content:encoded><![CDATA[<p>Freunde des in engen Spandexanzügen ausgeübten Kampfsports sind sich sicher: Frodo Beutlin war einer der ersten Ringkämpfer.</p>
 <p><a href="http://qual-der-wahl.com/?flattrss_redirect&amp;id=1462&amp;md5=7557a96eb262ed86dcbcfb30ec8a9fca" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://qual-der-wahl.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Qual und die Umfrage</title>
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		<pubDate>Mon, 13 May 2013 16:57:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>walnamensqual</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Qual und ich schlenderten an einem sonnigen Tag gerade die Friedrichstraße vom Bahnhof aus Richtung Reichstagufer entlang, als wir von einem Mann mit schwarzem Klemmbrett angesprochen wurden. „Entschuldigung, hätten Sie vielleicht fünf Minuten Zeit für ein paar Fragen?“ Qual, der von Umfragen jeglicher Art sofort genervt ist, runzelte die Stirn und schaute mich eindringlich an. [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Qual und ich schlenderten an einem sonnigen Tag gerade die Friedrichstraße vom Bahnhof aus Richtung Reichstagufer entlang, als wir von einem Mann mit schwarzem Klemmbrett angesprochen wurden. „Entschuldigung, hätten Sie vielleicht fünf Minuten Zeit für ein paar Fragen?“ Qual, der von Umfragen jeglicher Art sofort genervt ist, runzelte die Stirn und schaute mich eindringlich an. „Nein, tut mir leid“, sagte ich deshalb so freundlich wie möglich und ging ohne anzuhalten weiter. „Aber Sie wissen doch noch gar nicht, worum es geht“, gab der Mann zu bedenken und begann uns zu folgen, „wollen sie das nicht erfahren?“ „Nein, nicht wirklich“, antwortete ich wie aus der Pistole geschossen.</p>
<p>Der Mann lief vollkommen entrüstet neben uns her. „Und warum nicht?“ Qual seufzte. „Eben weil ich eh keine Zeit habe“, wiederholte ich mich und beschleunigte das Tempo. Mühsam hielt der Mann Schritt. „Vielleicht interessiert Sie das Thema ja, warum hören Sie mir also nicht wenigstens kurz zu?“, ließ der Klemmbretthalter nicht locker. „Wenn ich mich wirklich dafür interessieren sollte, würde ich mich im Endeffekt darüber ärgern, keine Zeit für Sie zu haben. Das hier ist demnach reiner Selbstschutz“, bemühte ich eine in meinen Augen ziemlich nett klingende Ausrede.</p>
<p>Der Klemmbrettmann dachte nach. „Und wenn ich Ihnen sagen würde, dass Sie für die Beantwortung der Fragen Geld bekommen?“ „Dann hätte ich trotzdem nicht mehr Zeit!“, erwiderte ich, langsam ebenfalls genervt. „Aber wenn Zeit tatsächlich Geld ist, könnten Sie sich von meinem Geld doch neue Zeit kaufen, meinen Sie nicht?“ „Haben Sie denn Geld für mich?“, hakte ich nach. „Natürlich nicht“, grinste der Mann, „aber Sie haben doch nichts zu verlieren, oder?“ Ich zog es daraufhin vor, ihn einfach zu ignorieren, und setzte weiter einen Fuß vor den anderen. „Meinen Sie nicht?“, fragte der Mann erneut und ging weiterhin mit uns die Straße runter. „Sehen Sie das etwa anders?“, formulierte er seine letzte Frage nur kurze Zeit später neu. Zehn Minuten lang versuchte er, so eine Antwort aus mir herauszukitzeln, obwohl ich schon längst in keinster Weise mehr auf ihn reagierte.</p>
<p>Als ich bemerkte, dass wir durch unsere glücklose Flucht vor dem Klemmbrettmann inzwischen fast am Nordbahnhof angelangt waren, hatte ich genug. Abrupt blieb ich stehen. Vor Schreck ließ der Mann sein Klemmbrett fallen, so dass eine Ecke beim Aufprall auf den Asphalt absplitterte. Ich fuhr ihn an: „Wir laufen hier jetzt seit einer gefühlten Stunde durch die Gegend und trotzdem machen Sie keine Anstalten zu verschwinden. In dieser Zeit haben Sie bereits gefühlte einhundert Fragen gestellt. Also egal, worum es in Ihrer Umfrage überhaupt geht, es kann kaum schlimmer werden. Ich beantworte Ihnen jede verdammte Umfrage der Welt!“</p>
<p>Plötzlich zückte jeder der umstehenden Passanten ein schwarzes Klemmbrett hervor und stürmte quasselnd auf uns zu. „Was halten Sie von der neuen Umweltkarte der BVG?“, rief einer. „Wenn am Sonntag Wahlen wären&#8230;“, begann ein anderer. „Der Wachtturm verkündet Jehovas Königreich! Ein Exemplar gefällig?“, ächzte ein in der Masse an Klemmbrettmenschen fast erdrückter Zeuge. Skeptisch beobachteten Qual und ich die versammelte Meute. „Finden Sie auch, dass öffentliche Verkehrsmittel kostenlos zur Verfügung stehen sollten?“, warf eine Klemmbrettfrau in die Runde. „Das ist doch utopisch!“, sagte der BVG-Beauftragte. „Rettet den Mäusebussard! Stoppt alle Züge!“, forderte eine Umweltaktivistin, die mit ihrer Unterschriftenliste wedelte und auf die Knie fiel. „Das geht zu weit!“, waren sich der BVG-Typ und das Mitglied der Piratenpartei dann doch einig. „Warum? Jesus Christus ist nie mit der Bahn oder einem anderen Fahrzeug unterwegs gewesen! Sogar über das Wasser ist er gelaufen!“, gab der Zeuge Jehovas zu Protokoll. „Kann ich euch mal eine Frage stellen?“, wendete ich mich verwirrt an die Menge. „Nein!“, schrien alle zusammen und diskutierten munter weiter. „Komm, lass uns einfach gehen“, schlug Qual vor, „da hinten kommen schon die ersten Rentner. Und glaube mir, das Spektakel willst du nicht erleben.“</p>
<p><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/ich-schreibe-wie/stiltest-ich-schreibe-wie-11480570.html" target="_blank">Stiltest</a>: Peter Handke</p>
 <p><a href="http://qual-der-wahl.com/?flattrss_redirect&amp;id=1460&amp;md5=b3dd8f6f2ea8e8c4df0cac53de44e2dc" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://qual-der-wahl.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Qual und die Postapokalypse</title>
		<link>http://qual-der-wahl.com/2013/05/06/qual-und-die-postapokalypse/</link>
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		<pubDate>Mon, 06 May 2013 10:25:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>walnamensqual</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ach- und Krach-Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Neueste Walheiten]]></category>
		<category><![CDATA[Briefkasten]]></category>
		<category><![CDATA[Mr. Bean]]></category>
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		<category><![CDATA[Porto]]></category>
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		<category><![CDATA[Standardbrief]]></category>

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		<description><![CDATA[Beim Frühstücken debattierten wir gerade hitzig darüber, welcher Sketch von Mr. Bean der beste sei, als es unverhofft an der Tür klingelte. Fragend sah Qual mich an. „Ich erwarte niemanden“, sagte ich schulterzuckend und schlurfte in Badelatschen zur Gegensprechanlage. „Aber um das noch mal klar zu stellen: Es ist trotzdem der, bei dem er in [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Beim Frühstücken debattierten wir gerade hitzig darüber, welcher Sketch von Mr. Bean der beste sei, als es unverhofft an der Tür klingelte. Fragend sah Qual mich an. „Ich erwarte niemanden“, sagte ich schulterzuckend und schlurfte in Badelatschen zur Gegensprechanlage. „Aber um das noch mal klar zu stellen: Es ist trotzdem der, bei dem er in einer Prüfung sitzt und den falschen Fragebogen bearbeitet!“, rief ich, immer noch empört ob Quals scheinbar fehlendem Verständnis für gute Komik, in die Küche.</p>
<p>Mit einem freundlichen Hallo wandte ich mich dann an mein mir unbekanntes Gegenüber vor der Haustür. „Guten Tag, hier ist die Post. Ich habe einen unzureichend frankierten Brief für Daniel Lehmann. Könnten sie bitte den fehlenden Betrag ausgleichen?“, tönte es ebenso freundlich aus der Sprechanlage. Da wir so gut wie nie Post bekamen (von offiziellen Schreiben einmal abgesehen), war ich nun doch etwas verwundert. „Was ist denn los?“, wollte Qual jetzt auch wissen. „Die Post. Muss mal eben runter, gleich wieder da.“ Kurz bevor ich die Wohnungstür hinter mir schließen konnte, flötete er noch: „Dann kannst du ja gleich den Müll mit nach unten nehmen.“</p>
<p>Mit etwas Kleingeld und drei Müllsäcken in der Hand ging ich also nach unten. Dort winkte mir ein sehr junger Postbote schon mit dem anscheinend an mich adressierten Brief zu. „Was bekommen Sie?“, fragte ich ihn. Doch er schaute nur auf meine Badelatschen. „Badelatschen in Hello Kitty-Design?“, japste der Postbote. „Waren ein Geschenk“, seufzte ich, „also, was bekommen Sie?“ Der Postbote rechnete mir vor: „Die Nachgebühr beträgt einundfünfzig Cent. Das Porto für einen Standardbrief beläuft sich seit Januar dieses Jahres auf achtundfünfzig statt fünfundfünfzig Cent.“ Ich sammelte vierundfünfzig Cent zusammen. „Allerdings“, fuhr der Postbote fort, „müsste ich Ihnen eigentlich mehr berechnen, da der Brief schwerer als zwanzig Gramm ist. Aber sehen Sie selbst.“</p>
<p>Ich nahm den Brief entgegen und sah ihn genauer an. Als Absender war John Doe angegeben. Auf der Vorderseite klebten eine Briefmarke im Wert von fünfundfünfzig Cent und drei mit Sekundenkleber befestigte Münzen: zwei Zweicentstücke und ein Eincentstück. Gleichzeitig irritiert und amüsiert sah ich den Postboten an. Der rechnete abermals vor: „Die Zweicentstücken wiegen zusammen knapp sechs Gramm, das Eincentstück etwa zwei Gramm. Ihr Brief wiegt damit einundzwanzig Gramm, was neunzig Cent Porto bedeuten würde. Aber lassen wir das ausnahmsweise mal außer Acht.“ Der Postbote grinste. Wir verabschiedeten uns und ich ging wieder nach oben.</p>
<p>Schnell öffnete ich den Brief. Darin befanden sich zwei DIN-A4-Seiten voller Haikus über das Leben, die Arbeit und die Gesellschaft. Verstohlen schwebte Qual zu mir heran. „Toll, oder?“, erkundigte er sich nach meiner Meinung. „Ich nehme mal an, dass der Brief von dir ist?“, vergewisserte ich mich, ohne auf die Frage zu antworten. „Natürlich. Wer sollte dir sonst einen Brief schreiben? Ich verschicke schon seit Monaten Briefe mit Haikus, kleinen Geschichten oder Bildern an mehr oder weniger zufällig auserwählte Personen. Es war an der Zeit, dass du auch mal einen bekommst“, erklärte er mir. „So so. Und dich bezeichnet man dann als Briefwal?“ „Scherzkeks!“</p>
<p>Ich dachte nach.</p>
<p>„Coole Idee, das mit den Münzen. Wie bist du darauf gekommen?“ Qual lächelte süffisant. „Das hat mehrere Gründe. Zum einen hatte ich einfach keine passenden Marken mehr. Und dann wollte ich natürlich wissen, ob das funktionieren könnte. Falls es dir aufgefallen ist, habe ich sogar zwei Cent zu viel aufgeklebt. Quasi als Trinkgeld. Dennoch: In gewisser Weise ist diese Aktion meine Art des Protests gegen die Postapokalypse.“ „Postapokalypse?“, wunderte ich mich. „Genau, Postapokalypse! Schau mal bei Wikipedia nach, da findest du zur Erklärung des Begriffs auch den Satz: <i>Alte Gesellschaftsordnungen gelten nicht mehr, oft herrscht ein archaisches System des Stärkeren. </i>Wenn damit nicht die Briefportoerhöhung gemeint ist, weiß ich auch nicht. Und nun lass uns Mr. Bean schauen. Es gibt doch auch noch den Sketch, bei dem er in einem Briefkasten gefangen ist. Für mich mit Abstand der beste.“</p>
<p><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/ich-schreibe-wie/stiltest-ich-schreibe-wie-11480570.html" target="_blank">Stiltest</a>: Ildiko von Kürthy</p>
 <p><a href="http://qual-der-wahl.com/?flattrss_redirect&amp;id=1453&amp;md5=9d7cdc8854b507b8dc40d7a799acd9dc" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://qual-der-wahl.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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